Warum gehen französische Kinder schon mit drei Jahren in die Schule? Was steckt hinter dem Konzept der „rentrée scolaire“? Wie funktioniert die „école maternelle“? Und warum wirkt der Schulalltag in Frankreich oft anders als in Deutschland?
Wenn man als Deutsche oder Deutscher nach Frankreich zieht, sind manche Unterschiede sofort sichtbar: Kinder gehen in Frankreich bereits mit drei Jahren in die « école maternelle », die « rentrée scolaire » markiert den Anfang der Schule – aber nicht nur, und die Organisation des Schuljahres unterscheidet sich ebenfalls.
Andere Unterschiede sind weniger offensichtlich. Sie betreffen zum Beispiel die Rolle des Staates, den Umgang mit dem Kollektiv, die Benotung der Kinder oder die Frage, wie viel Raum es für individuelle Bedürfnisse gibt.
In diesem Artikel möchte ich dir das französische Schulsystem aus meiner Perspektive als Französin erklären. Ich teile vor allem meine persönlichen Beobachtungen und einige Eindrücke aus einem Gespräch mit Lisa, einer Deutschen, die seit vielen Jahren in Frankreich lebt (den Zugang zu diesem YouTube-Video findest du oben.)
Denn gerade beim Thema Schule gilt:
Nicht alles, was anders ist, ist automatisch besser oder schlechter. Aber es ist interessant zu verstehen, wie und warum es anders ist.
1. Schule in Frankreich: Warum beginnt sie schon mit drei Jahren?
Der wohl größte Unterschied für viele deutsche Familien ist das Alter, mit dem Kinder in Frankreich in die Schule kommen.
In Frankreich gilt die Bildungspflicht grundsätzlich ab dem Alter von drei Jahren. Das entspricht normalerweise dem Eintritt in die „école maternelle“. Diese gesetzliche Regelung gilt seit 2019. Auf der offiziellen französischen Seite des Bildungsministeriums findest du nähere Informationenzur „école maternelle“: https://www.education.gouv.fr/l-inscription-l-ecole-maternelle-8651?utm_source=chatgpt.com
Für französische Familien klingt der folgende Satz daher ganz normal:
« Mon enfant entre à l’école à trois ans. » Mein Kind kommt mit drei Jahren in die Schule.
Für viele Deutsche klingt aber dieser Satz zunächst überraschend. Denn das Wort Schule löst möglicherweise eine ganz andere Vorstellung aus: Unterricht, Stühle, Regeln, Hausaufgaben und lange Konzentrationsphasen.
Genau diese Vorstellung hatte auch Lisa, als ihr erstes Kind in Frankreich mit drei Jahren in die Schule kam. Sie dachte zunächst an die deutsche Grundschule und fragte sich: Wie soll ein dreijähriges Kind den ganzen Tag still sitzen und lernen?
Doch die „école maternelle“ ist nicht einfach eine französische Grundschule für kleinere Kinder.
Die „École maternelle“ ist nicht einfach Kindergarten
Aber: Die „école maternelle“ ist auch keine einfache französische Übersetzung vom deutschen Kindergarten.
Die französische „école maternelle“ und der deutsche Kindergarten haben zwar ähnliche Funktionen: Kinder werden betreut, spielen und entdecken ihre Umgebung. Dabeientwickeln sie soziale, sprachliche und motorische Fähigkeiten.
Trotzdem gibt es Unterschiede in der Organisation und im pädagogischen Alltag.
Lisa beschreibt die „école maternelle“ in Frankreich als:
- stärker organisiert;
- etwas strukturierter;
- weniger frei als einen Kindergarten;
- aber keineswegs wie eine Schule, in der dreijährige Kinder den ganzen Tag still sitzen müssen.
Ein wichtiger Unterschied ist also nicht nur das Alter, sondern auch die Vorstellung davon, was „Schule“ bedeutet.
In Frankreich beginnt die institutionelle Bildung früher. In Deutschland wird stärker zwischen Kindergarten und Schule unterschieden.
Die „école maternelle“ gehört zum französischen Bildungssystem. In diesem Sinne verfolgt sie bereits konkrete Bildungsziele.
Sie ist in drei Abschnitte gegliedert:
- la petite section: ab drei Jahren;
- la moyenne section: ab vier Jahren;
- la grande section: ab fünf Jahren.
Ziel der „école maternelle“ ist, die Kinder auf die „école élémentaire“ oder noch „école primaire“ (Grundschule) vorbereiten und ihnen erste Lernprozesse ermöglichen. In der „maternelle“ lernen Kinder unter anderem durch:
- Spielen;
- Singen;
- Bewegung;
- Geschichten hören;
- Basteln;
- Beobachten;
- Verwenden von Gegenständen;
- sprachliche Aktivitäten…
Die französische Schule beginnt also früh, aber das bedeutet nicht, dass sie wie eine deutsche Grundschule funktioniert.
Wer arbeitet in der „école maternelle“?
In einer französischen „maternelle“ gibt es unter anderem:
- le professeur des écoles : der/die Grundschullehrer.in ;
- la directrice / le directeur : die Schulleiterin / der Schulleiter
- l’ATSEM : eine speziell für die „maternelle“ ausgebildete kommunale Betreuungskraft.
Die ATSEM unterstützt die Lehrkraft im Alltag und hilft bei der Betreuung und Organisation der Klasse.
Das ist ein Begriff, den deutsche Eltern in Frankreich relativ schnell kennenlernen können:
„L’ATSEM aide les enfants et accompagne l’enseignante.“
Die ATSEM hilft den Kindern und unterstützt die Lehrerin.
Was bedeutet Schulpflicht in Frankreich?
Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied: In Frankreich spricht man rechtlich eher von „instruction obligatoire“, also von verpflichtender Bildung, und nicht ausschließlich von „scolarité obligatoire“, also verpflichtendem Schulbesuch.
Grundsätzlich müssen Kinder zwischen drei und 16 Jahren eine Bildung erhalten. Diese kann unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen in einer öffentlichen oder privaten Schule, aber auch im Rahmen des Unterrichts in der Familie (Homeschooling) erfolgen. Hier findest du mehr Infos zu dem Thema (auf Französisch): https://eduscol.education.gouv.fr/5118/scolarisation-des-eleves-de-retour-de-l-etranger?utm_source=chatgpt.com)
Die Einführung der Schulpflicht ab drei Jahren wurde in Frankreich als wichtiger Schritt begründet. Sie soll unter anderem dazu beitragen, dass alle Kinder früh einen Zugang zu Bildung, Sprache und gemeinschaftlichen Erfahrungen erhalten.
Das kann besonders für Kinder hilfreich sein, die zu Hause weniger Unterstützung oder weniger Zugang zur französischen Sprache haben.
Gleichzeitig kann diese Verpflichtung für Familien, die ihre Kinder bereits sehr intensiv zu Hause betreuen, ungewohnt sein.
Hier zeigt sich bereits ein grundlegender Unterschied: Wie viel soll der Staat organisieren, und wie viel soll individuell entschieden werden?
2. Schulanfang in Frankreich und Einschulung in Deutschland
Der Schulanfang ist in beiden Ländern ein wichtiger Moment. Aber er wird nicht unbedingt auf dieselbe Weise erlebt.
Die „rentrée scolaire“ in Frankreich
Ein zweiter wichtiger Begriff ist: „la rentrée scolaire“
Damit bezeichnet man den Schulanfang nach den Sommerferien.
Das Wort „rentrée“ ist in Frankreich Ende August/Anfang September überall zu hören, genau so wie der folgende Satz:„La rentrée approche.“ Die rentrée rückt näher.
Oder auch:“C’est bientôt la rentrée !“ Bald fängt die Schule wieder an!
Die „rentrée“ ist nicht nur ein organisatorischer Termin. Sie ist ein wichtiger Moment im französischen Jahresrhythmus.
Nach den Sommerferien beginnt wieder der Alltag:
- Die Kinder gehen zurück in die Schule.
- Die Eltern kehren zur Arbeit zurück.
- Die Geschäfte und Vereine nehmen ihren normalen Rhythmus wieder auf.
- Die Familien organisieren Stundenpläne, Betreuung und Aktivitäten.
In Frankreich hat die „rentrée“ eine sehr starke kulturelle Bedeutung, was ein ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt.
In Deutschland ist der Schulanfang stärker von den einzelnen Bundesländern und Regionen abhängig. Die Sommerferien finden nicht überall gleichzeitig statt. Deshalb gehen manche Kinder bereits wieder zur Schule, während andere noch Ferien haben. was ein großer Unterschied zu Frankreich ist.
In vielen französischen Schulen ist der erste Schultag ein gemeinsamer Moment für Kinder und Eltern. Gerade bei der ersten „rentrée“ in der „école maternelle“ können Eltern ihre Kinder begleiten, die Lehrkräfte kennenlernen und die Schule entdecken.
Das kann für deutsche Familien ungewohnt sein, weil der Übergang in die Schule in Deutschland häufig stärker mit der Einschulung in die Grundschule verbunden wird.
In Frankreich findet dieser erste große Übergang bereits mit drei Jahren statt.
Wichtige Vokabeln sind:
- der Kindergarten : le jardin d’enfants ;
- die Schule: l’école ;
- die Grundschule: l’école primaire ;
- die Einschulung: l’entrée à l’école primaire ;
- der Schulanfang: la rentrée scolaire ;
- die Schulpflicht: l’obligation scolaire / l’instruction obligatoire
- das französisches Schulsystem: le système scolaire français
- die Noten: les notes
- der französische Schulalltag: le quotidien scolaire français / le quotidien à l’école française
In Frankreich kann der erste Tag in der „petite section“ bereits als großer Übergang erlebt werden. In Deutschland ist es eher die Einschulung in die Grundschule, die traditionell besonders gefeiert wir
3. Was kommt nach der école maternelle?
Der erste Schultag
Nach der „école maternelle“ wechseln die Kinder in die „école élémentaire“. Diese ist ungefähr mit der deutschen Grundschule vergleichbar.
Die „école élémentaire“ umfasst in Frankreich fünf Klassen:
- le CP: le cours préparatoire;
- le CE1: le cours élémentaire, première année
- le CE2: le cours élémentaire, deuxième année
- le CM1: le cours moyen, première année
- le CM2: le cours moyen, deuxième année.
Der CP ist also die erste Klasse der „école élémentaire“.
Das ist ein wichtiger Unterschied zur deutschen Perspektive: In Frankreich beginnt die „école élémentaire“ erst nach der dreijährigen école maternelle.
Wenn ein Kind in Frankreich in den CP kommt, ist es in der Regel ungefähr sechs Jahre alt und hat bereits drei Jahre institutionelle Bildung hinter sich. Zu diesem Anlass gibt es dann keine Schultüte oder Schulfest wie in Deutschland! Die „école élémentaire“ umfasst die Altersgruppe von ungefähr sechs bis neun/zehn Jahren.
Ein Artikel, den du dazu lesen kannst
Wenn du das französische Schulsystem genauer verstehen möchtest, dann lies dir doch diesen Artikel von mir durch:
👉 Das französische Schulsystem einfach erklärt
Dort erkläre ich unter anderem die „école maternelle“, die „école élémentaire“, das französische Notensystem und die verschiedenen Bildungswege.
Schulranzen oder Rollranzen? Ein kleiner, aber interessanter Unterschied
Auch beim Schulranzen gibt es interessante Unterschiede.
In Deutschland wird häufig Wert auf einen ergonomischen Schulranzen gelegt. Er soll gut sitzen, stabil sein und möglichst mehrere Jahre halten.
In Frankreich sieht man dagegen relativ häufig Schulranzen mit Rollen (in der Grundschule). Das ist praktisch, wenn Kinder ihre Schulsachen nicht auf dem Rücken tragen möchten. Natürlich hängt die Entscheidung stark vom Alltag der Familie ab.
Wenn ein Kind nur wenige Meter bis zum Auto laufen muss, spielt das Gewicht vielleicht eine andere Rolle als bei einem Kind, das jeden Tag mehrere Kilometer zu Fuß unterwegs ist.
4. Französischer Schulalltag: Was mir persönlich auffällt.
Ein besonders interessanter Punkt ist die Frage, wie Schule mit den Bedürfnissen einzelner Kinder umgeht.
Lisa beschreibt ihre persönliche Wahrnehmung ungefähr so: In Deutschland wird der Rhythmus der Kinder stärker berücksichtigt. Frankreich denkt stärker kollektiv.
Das bedeutet nicht, dass französische Schulen keine individuellen Bedürfnisse berücksichtigen. Und es bedeutet auch nicht, dass deutsche Schulen immer flexibel sind.
Es geht eher um unterschiedliche pädagogische und gesellschaftliche Tendenzen.
Frankreich: Eine stärker kollektive Organisation?
In Frankreich ist das Bildungssystem traditionell stärker zentral organisiert. Der Staat spielt eine wichtige Rolle bei der Festlegung von Bildungszielen, Lehrplänen und organisatorischen Rahmenbedingungen.
Das kann Vorteile haben:
- gemeinsame Standards;
- einheitliche Erwartungen;
- ein klarer Rahmen;
- eine vergleichbare Organisation;
- ein früher Zugang zu Bildung für alle Kinder.
Gleichzeitig kann ein stark gemeinsamer Rahmen bedeuten, dass individuelle Lösungen schwieriger umzusetzen sind. Wenn ein Kind einen anderen Rhythmus hat, kann es manchmal länger dauern, bis die Schule darauf reagiert.
Deutschland: Mehr Raum für individuelle Lösungen?
In Deutschland wird Bildung hauptsächlich von den 16 Bundesländern organisiert. Die Länder haben eigene Schulgesetze und eigene Regelungen. Die Kultusministerkonferenz koordiniert bestimmte gemeinsame Rahmenbedingungen, damit Abschlüsse und Bildungswege vergleichbar bleiben.
In meiner persönlichen Wahrnehmung kann dieses System manchmal flexibler wirken.
Nicht unbedingt, weil Deutschland weniger anspruchsvoll wäre. Sondern weil es mehr unterschiedliche Modelle, regionale Lösungen und Spielräume gibt.
Lisa erzählt im Video von einer öffentlichen Schule in der Bretagne, in der die Kinder regelmäßig in den Wald gehen.
Dort lernen sie nicht nur am Schreibtisch, sondern auch draußen: Sie beobachten die Natur, sie sammeln Gegenstände, sie rechnen mit Stöcken, sie entdecken ihre Umgebung, sie lernen auf eine andere Weise.
Das ist kein Beweis dafür, dass französische Schulen generell besonders innovativ sind. Es zeigt aber, dass auch eine öffentliche französische Schule sehr kreative pädagogische Projekte entwickeln kann.
Am Ende hängt viel davon ab:
- welche Lehrkräfte dort arbeiten;
- welche Möglichkeiten die Schule hat;
- wie groß die Klassen sind;
- welche Unterstützung zur Verfügung steht;
- welche pädagogische Philosophie die Schule verfolgt.
Lehrer, Hierarchie und freie Meinungsäußerung
Ein weiterer Unterschied, den Lisa und ich angesprochen haben, betrifft das Verhältnis zwischen Kindern und Lehrkräften.
Lisa und ich haben den Eindruck, dass Schülerinnen und Schüler sich in Deutschland manchmal freier fühlen, ihre Meinung zu äußern.
Zum Beispiel habe ich als Mutter bemerkt, dass meine Töchter mit ihrer Deutschlehrerin freier sprechen konnten und weniger Hierarchie empfunden haben. Auch hier gilt: Auch wenn ich diese Beobachtung interessant finde, ist das natürlich nur eine persönliche Erfahrung.
In Frankreich wird die Lehrkraft traditionell häufig stärker als Autoritätsperson wahrgenommen. Die Beziehung zwischen Lehrkraft und Schülern kann dadurch formeller wirken. In Deutschland kann der Umgang manchmal direkter und weniger hierarchisch erscheinen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass deutsche Lehrkräfte weniger Autorität haben. Es kann auch bedeuten, dass Autorität anders ausgedrückt wird.
Was denkst du darüber? Gerne kannst du mir in den Kommentaren schreiben!
Noten, Bewertung und Leistungsdruck
Auch beim Thema Noten gibt es interessante Unterschiede.
In Frankreich wird eine Skala von 0 bis 20 verwendet:
- 0 ist die schlechteste Note;
- 20 ist die beste Note.
Das ist für deutsche Lernende manchmal zunächst ungewohnt, weil die deutsche Notenskala andersherum funktioniert:
- 1 ist in Deutschland die beste Note;
- 6 ist die schlechteste Note.
Auf Französisch sagt man zum Beispiel:
„J’ai eu 15 sur 20.“
Ich habe 15 von 20 Punkten bekommen.
Aber: In Frankreich gibt es in den ersten Jahren der Grundschule nicht unbedingt klassische Noten wie „15 von 20“ oder „8 von 20“. Stattdessen werden Kompetenzen häufig mithilfe von Bewertungsrastern, Farben, Emojis oder Kompetenzprofilen dargestellt.
Das französische Bildungsministerium betont, dass die „maternelle“ nicht auf eine reine Bewertung ausgerichtet ist, sondern auf die Entwicklung und den Lernfortschritt der Kinder.
Das kann den Vorteil haben, dass der direkte Vergleich zwischen Kindern nicht sofort im Mittelpunkt steht.
Später spielen Noten und Bewertungen in Frankreich eine größere Rolle. Im Video erkläre ich ebenfalls, dass meine Kinder den Leistungsdruck insbesondere in höheren Klassen als stark empfinden, was ich bedauere.
Besonders problematisch fand Lisa (und auch ich…) eine Erfahrung mit einem Zeugnis, auf dem die Platzierung eines Kindes innerhalb der gesamten Schule angegeben war. Zur Einordnung ist es aber wichtig zu erwähnen, dass sie dies nur auf einem Zeugnis gesehen hat und nicht sagen kann, ob dies an allen Schulen der Fall ist,
Deshalb sollte man daraus keine allgemeine Aussage über alle französischen Schulen treffen.
Noten sind nicht grundsätzlich schlecht. Sie können Orientierung geben und zeigen, welche Kompetenzen bereits vorhanden sind.
Aber wie kann man am besten damit umgehen, damit sie dem Schüler wirklich helfen, vorwärts zu kommen?
Religion und Schule: Warum Frankreich und Deutschland unterschiedlich funktionieren
Auch das Verhältnis zwischen Staat und Religion ist in Frankreich und Deutschland anders.
Frankreich ist stark durch das Prinzip der „laïcité“ geprägt. Die französische Laizität beschreibt ein besonderes Modell der staatlichen Neutralität gegenüber Religionen.
Deutschland hat kein identisches Modell. Das deutsche Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit und religiöse Neutralität, sieht aber auch eine institutionelle Zusammenarbeit zwischen Staat und Religionsgemeinschaften vor.
Deshalb gibt es in Deutschland beispielsweise in vielen Bundesländern Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Die konkrete Organisation hängt vom jeweiligen Bundesland ab.
Der Begriff der Kirchensteuer kann ebenfalls für französische Menschen zunächst überraschend sein, weil das Verhältnis zwischen Staat und Religion in Frankreich anders geprägt ist.
5. Was deutsche Familien über die französische Schule wissen sollten
Wenn du mit Kindern nach Frankreich ziehst oder dich einfach für das französische Bildungssystem interessierst, sind einige zusätzliche Begriffe besonders hilfreich:
- la cantine: die Schulkantine;
- la cour de récréation: der Schulhof;
- le cahier: das Heft;
- le bulletin scolaire: das Zeugnis;
- les devoirs: die Hausaufgaben.
- la rencontre parents–profs: der Elternabend
Und noch ein Begriff, der im französischen Alltag immer wieder wichtig wird:
les jours fériés
Das sind die gesetzlichen Feiertage.
Wenn du in Frankreich lebst, wirst du schnell merken, dass Feiertage nicht nur für die Arbeitswelt, sondern auch für den Schulkalender und die Ferienplanung eine Rolle spielen. Hier erhältst du mehr Infos zum Thema:
Fazit: Nicht besser oder schlechter, sondern anders
Die Unterschiede zwischen Schule in Frankreich und Deutschland zeigen, dass Bildung immer auch etwas mit Gesellschaft und Kultur zu tun hat.
In Frankreich kann Schule stärker als gemeinsamer Rahmen verstanden werden:
- gleiche Ausgangspunkte;
- zentrale Organisation;
- frühe institutionelle Bildung;
- gemeinschaftliche Strukturen.
In Deutschland kann Schule in manchen Bereichen flexibler und stärker regional geprägt wirken:
- unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern;
- verschiedene pädagogische Modelle;
- mehr regionale Spielräume;
- unterschiedliche Übergänge und Schulformen.
Aber kein System ist überall gleich.
Eine Schule kann sehr traditionell oder sehr innovativ sein.
Eine Lehrkraft kann sehr autoritär oder sehr offen sein.
Eine Klasse kann 20 oder 30 Kinder haben.
Und die Erfahrungen einer Familie können sich deutlich von denen einer anderen unterscheiden.
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